0



| Tops |
| Erhalten: 51 Vergeben: 2 |
Unter der Woche hatte Juniorennationalspieler Alexander Avdijaj tatsächlich bereits einmal mit der Mannschaft trainiert, doch für den Kader der ersten Mannschaft würde es diese Saison nicht mehr reichen. Zwar war der Abstieg mittlerweile rechnerisch nicht mehr möglich, doch ich wollte den Jungen nicht verheizen und erst einmal eine vollständige Vorbereitung mit der Mannschaft trainieren lassen, ehe ich ihn ins kalte Wasser warf. Dafür kehrte Gary Kagelmacher zum 32. Spieltag gegen den MSV Duisburg in den Kader zurück – der Uruguayer hatte zwar nicht gerade überzeugt, doch Vladimir Kovac war gesperrt und ansonsten müsste ich einen Mittelfeldspieler oder Innenverteidiger umfunktionieren – was mir auch keine Lösung zu sein schien. Gegen den MSV ging es für uns um nicht mehr viel, für die Zebras ebenso wenig – rechnerisch waren sie zwar noch nicht durch, doch faktisch konnte nur noch ein Wunder die Duisburger den Klassenerhalt kosten. Der neue, alte Rechtsverteidiger Kagelmacher hatte zunächst wenig zu tun, stattdessen setzten wir Ausrufezeichen: Daniel Adlung wurde von Dominik Stahl bedient und zog aus Strafraumnähe ab, doch Michael Ratajzack im Kasten der Duisburger hielt sein Tor sauber. Wir dagegen begingen im quasi direkten Gegenzug einen Anfängerfehler bei der Abseitsfalle: Rodnei rückte Bruchteile einer Sekunde zu spät vor und so war Zlatko Janjic frei durch. Der Bosnier nahm Tempo auf und auch wenn Christopher Schindler und Maximilian Wittek hinterherheizten, hatte der offensive Mittelfeldspieler doch alle Zeit der Welt, legte den Ball frei vor Ortega nochmal quer und dort hatte Victor Obinna keine Mühe, den Ball ins Tor zu schieben. Ich fluchte und bedeutete Niels, mir den Brasilianer an die Seitenlinie zu holen, doch es half nichts: Einen Angriff später war Victor Obinna halbrechts im Strafraum frei durch und wurde von Gary Kagelmacher abgeräumt – diesmal gab es zwar nur eine Gelbe Karte, aber dennoch einen Elfmeter. Zlatko Janjic trat an und auch wenn Ortega mit dem Hechtsprung nach links die Ecke ahnte, kam er an das Geschoss des Mittelfeldmotors nicht mehr heran. Frustriert vergrub ich das Gesicht in den Händen und sah aus dem Augenwinkel, wie Niels es mir gleichtat – doch es half ja nichts. Ich stellte das Mittelfeld etwas um, ließ Daniel Adlung wieder auf die Sechs zurückbeordern und tatsächlich brachte uns das ein wenig Stabilität und kurz vor der Pause kamen wir dann auch zu gefährlichen Aktionen: Erst zog Andreas Pereira aus der zweiten Reihe ab und zielte etwas zu hoch, dann wurde ein Schlenzer von Dominik Stahl aus ähnlicher Position zur Ecke abgeblockt. So gingen wir mit einem bitteren zwei-Tore-Rückstand in die Kabine und kamen mit der klaren Marschroute „Alles auf Sieg“ wieder heraus – und das klappte zunächst gut. Marius Wolf legte den Ball vom linken Flügel nach innen, Andreas Pereira ließ ihn sich durch die Beine laufen und so kam Dominik Stahl an den Ball und setzte diesen unhaltbar unter die Latte. Doch es war nicht das Ende der Fahnenstange, denn Duisburg war dadurch wieder wach geworden und drängte auf die Vorentscheidung: Erst köpfte Obinna nach Flanke von Janjic Ortega an, dann säbelte der Nigerianer einen Volleyschuss nach einer weiten Hereingabe von Kevin Wolze an den Außenpfosten. Wir hatten unsererseits durch Marius Wolf eine weitere Chance, doch der Kopfball des Linksaußens nach Hereingabe von Wittek landete am Außennetz und so brach uns ein erneuter Konter das Genick: Wolze trieb den Ball über die linke Seite und bekam von Gary Kagelmacher zu viel Platz zum Flanken. Die Hereingabe senkte sich perfekt auf den Kopf von Zlatko Janjic, der Michael Ortega per Kopf keine Chance ließ. Zwar erzielte der eingewechselte Liendl kurz vor dem Ende per Abstauber noch den Anschlusstreffer zum 2:3, doch es half uns nichts mehr und so ging die vierte Sieglose Partie in Serie zu Ende.
Mit drei Scorerpunkten Mann des Spiels: Der Duisburger Zlatko Janjic
Eine Woche später stand der nächste Verein aus dem Tabellenkeller bei uns auf der Matte: Der FC St. Pauli, der mit drei Punkten Rückstand auf den Relegationsrang noch bessere Chancen hatte als Bielefeld (für die es noch immer vier Punkte neben der schlechteren Tordifferenz waren). Doch es war am Millerntor auch das Duell zwischen den Paulianern als schlechtestem Heim- und uns als schlechtestem Auswärtsteam.
„Das hat was von einem schlechten Verschnitt von 'Natural Born Killers', wenn du mich fragst.“ meinte Niels zu mir.
„'Natural Born Loosers'?“ fragte ich zurück. „Meinetwegen, aber nur wenn ich Mickey bin und du Mallory.“
„Juliette Lewis war scharf.“
„Woody Harrelson war definitiv der bessere Schauspieler.“
„Mag sein. Und Ewald Lienen ist Scagnietti?“ fragte Niels amüsiert nach.
„Er hat vielleicht nicht Tom Sizemores Körper, aber definitiv seine Augen. Und Andreas Pereira ist Wayne Gale.“
Niels sah mich nur ungläubig an.
„Was denn? Downey hat vielleicht den besseren Körper, aber Andreas sicherlich die besseren Beine. Und ich bin mir sicher, dass er noch nie wegen Drogen im Knast war.“
„Das meinte ich nicht.“
„Sondern? Wayne Gale war der heimliche Star des Films, ohne ihn hätten Mickey und Mallory es nie aus dem Knast geschafft.“
„Trotzdem haben sie ihn im Wald umgelegt.“
„Welch eine Ironie.“ sagte ich und richtete meinen Blick wieder auf das Spielfeld – die Mannschaften waren auf ihren Plätzen und der Anstoß stand bevor. Auch Niels richtete seine Konzentration wieder auf das Spiel, in dem mit Romuald Lacazette diesmal tatsächlich ein Mittelfeldspieler zum Außenverteidiger umfunktioniert worden war. Kagelmacher war nach dem zweiten Totalausfall in Serie nicht mehr zu vertreten und auch den von seiner Rotsperre zurückgekehrten Vladimir Kovac konnte und wollte ich nicht in die Startelf bringen. Doch Lacazette machte seine Sache in der Anfangsphase ordentlich, hielt seine Seite dicht und wir erarbeiteten uns erste Chancen. Vor allen Dingen Andreas Pereira war ein Aktivposten, der Brasilianer harmonierte wie üblich perfekt mit Rubin Okotie und nach einer knappen Viertelstunde feuerte er nach Ablage des Österreichers den Ersten Torschuss ab, doch der Pfosten verhinderte den Einschlag. Kurze Zeit später war es Maximilian Wittek, der Pereira in Szene setzte, doch diesmal hielt Robin Himmelmann den Fuß dazwischen und sicherte das 0:0. So ging es in einer Tour fort bis in die Halbzeitpause: Wir hatten mehr Ballbesitz und die besseren Chancen, spielten das erste Mal seit Wochen wieder guten Fußball – und nutzten unsere Chancen nicht. Pauli dagegen kam nur einmal wirklich ernsthaft vor unser Tor, Lennart Thys Abschluss nach dem Hamburger Konter war aber nicht der Rede wert. So kam es nach der Pause dann Knüppeldick: Lennart Thy schickte Marc Rzatkowsi, der sich gegen Schindler durchsetze und dann frei vor Michael Ortega die Nerven behielt – und wie. Mit einem frechen Heber überwand er unseren Schlussmann, der es selbst nicht so wirklich glauben konnte. Doch wir ließen uns nicht beirren und spielten weiter nach vorne, doch belohnten uns viel zu spät: Der eingewechselte Stefan Mugosa, der persönlich bereits einmal am Pfosten scheiterte, bediente Marius Wolf im linken Rückraum. Dort fasste sich der Juniorennationalspieler ein Herz und zog ab, Himmelmann streckte sich diesmal vergeblich und konnte den Einschlag nicht mehr verhindern. Bei diesem Remis blieb es dann auch, so dass sich für uns am letzten Spieltag immerhin die Chance bot, mit einem Heimsieg in die obere Tabellenhälfte vorzudringen – und für den Abstiegskampf hieß es, dass Bielefeld durch die Pleite gegen Fürth nun abgestiegen war, zwischen St. Pauli und Heidenheim würde es am letzten Spieltag im Fernduell um das Ticket zur Relegation gehen.
Robin Himmelmann hielt den FC St. Pauli im Rennen um den Klassenerhalt
Quellen: Janjic, Himmelmann
tabsi (26.03.2016)
Lesezeichen