Millionen erleichtern den Abschied

Der Tag danach. Real Madrid sortiert sich neu, und das nur wenige Tage vor dem Klassiker beim Erzrivalen FC Barcelona (Samstag, 22 Uhr). Der wohl letzten Chance, den Titel in dieser Saison noch verteidigen zu können. Juande Ramos steht nun in der Pflicht, der Nachfolger Bernd Schusters. Der war am Dienstag entlassen worden - und soll, so spanische Medien, mit einer satten Abfindung in Millionenhöhe vertröstet werden.

17 Monate währte die Amtszeit des "blonden Engels", gekrönt vom Gewinn der Meisterschaft. Gleiches war seinem Vorgänger Fabio Capello im Sommer 2007 geglückt, doch auch der Italiener musste gehen.

Knall auf Fall war Schuster am Dienstag abserviert worden, hatte das Real-Gelände gemeinsam mit Lebensgefährtin Elena durch die Tiefgarage verlassen. Abschied von den Spielern per SMS, kein Kommentar gegenüber den Medien. Zwei Stunden später war dann schon Juande Ramos da, der am Mittwoch im Rahmen der Champions League gegen St. Petersburg seine Generalprobe feiern darf. Und der bei seiner Vorstellung noch nicht einmal wusste, ob ihm der ausgehändigte Trainingsanzug passen würde.

"Wir waren völlig überrascht. Es ging so schnell, dass viele Spieler die Neuigkeit aus dem Radio erfahren haben", gestand Schusters Landsmann Christoph Metzelder. Sportdirektor Predrag Mijatovic, kein großer Freund Schusters, resümierte derweil. "Grandiose eineinhalb Jahre" habe Real mit Schuster gehabt, der freilich die Mannschaft zuletzt mit seinen Worten "nicht mehr erreicht" habe. Klubchef Ramon Calderon wollte mit der Entlassung nichts zu tun haben. Er war jedoch der Überbringer der Nachricht, die Schuster durchaus traurig aufgenommen habe.

"Der König ist tot, es lebe der König!"
"Ich glaube an dich, die sportliche Leitung jedoch denkt das Gegenteil", zitiert die "Marca" die Aussage des Präsidenten gegenüber Schuster. Und: "Der König ist tot, es lebe der König." Der Zeitpunkt des Trainerwechsels wird als kritisch eingestuft (Marca: "Es ist ein Wahnsinn"). Dass Ramos mit Real bei den zurzeit furios aufspielenden Katalanen etwas reißt und ins Titelrennen zurückkehrt, wird bezweifelt. Der von Mijatovic und Calderon zusammengestellte Kader - Schusters Drängen nach Verstärkungen blieb weitgehend unerhört - erscheint zu schwach.

Und der Deutsche? Er kann sich mit dem Titelgewinn 2008 als Empfehlung bei anderen Klubs bewerben. In Spanien wird er zunächst nicht landen. Denn: Ein ungeschriebenes Gesetz untersagt, innerhalb einer Saison zwei Klubs der Primera División zu trainieren.

Ramos widersprach derweil gleich einmal Schusters Aussage, wonach Real Madrid beim FC Barcelona eigentlich derzeit chancenlos sei. "Selbstverständlich hat Real die Stärke, in Barcelona zu gewinnen", sagte der frühere Coach des FC Sevilla, zuletzt bei Tottenham Hotspur gescheitert.
Sein Vertrag läuft zunächst bis zum Saisonende.


Quelle: kicker.de