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Während die meisten Bundesligisten ihre großen Transfers mittlerweile unter Dach und Fach gebracht haben, herrscht in anderen internationalen Top-Ligen weiter Hochbetrieb auf dem Spielermarkt. Vergleichsweise niedrig nehmen sich im Sommer 2008 die Summen aus, die die Top-Transfers verschlungen haben. Namhafte Wechsel wie der von Ronaldinho aus Barcelona zum AC Mailand sind bislang die Ausnahme.
Top-Transfer des Sommers ist bisher der spanische Binnenwechsel des Brasilianers Dani Alves. 32 Millionen Euro ließ sich der FC Barcelona den Außenverteidiger vom FC Sevilla kosten. Auf Platz zwei liegt der bisher nur Experten bekannte Portugiese Danny, den Zenit St. Petersburg für satte 30 Millionen Euro von Liga-Konkurrent Dynamo Moskau loseiste.
Freilich dürfte das letzte Wort um die Spitzenplätze auf der Transfer-Skala noch nicht gesprochen sein. Europas Elite-Clubs werden die verbleibenden Tage bis zur Schließung der Transferlisten in der Nacht vom 31. August auf den 1. September noch dazu nutzen, ihre Kader kostspielig zu verstärken. Begleiten Sie sportal.de auf einem Ausflug durch die Gerüchteküchen der europäischen Top-Ligen, auf der Suche nach den letzten großen Transfers dieses Sommers.


England

Die ganz großen Transfers sind in der "Liga der unbegrenzten (finanziellen) Möglichkeiten" bislang ausgeblieben. Trotzdem waren zweistellige Millionen-Ablösen nicht die Ausnahme, denn auch die Preise für Mittelklasse-Profis sind auf der Insel explodiert. So tauschte etwa zu Beginn der Woche Ex-U21-Verteidiger Anton Ferdinand für rund 10 Millionen Euro den Arbeitgeber, von West Ham geht er zum FC Sunderland.
Doch jetzt erhöhen auch die Spitzenclubs die Schlagzahl: Meister Manchester United sieht dem Ende des Pokers um Dimitar Berbatov von Tottenham Hotspur erwartungsfroh entgegen. Rund 31 Millionen Euro bietet United für den Ex-Leverkusener. Wahrscheinlich, dass die Spurs jetzt nachgeben und ihn ziehen lassen. Nach Angaben der britischen Gazetten steht nämlich sein Nachfolger in Person des russischen EM-Stars Roman Pavlyuchenko schon bereit. Rund 15 Millionen Euro soll der Blondschopf kosten.
Den Sommerrekord würde United mit dem Berbatov-Deal also wohl nicht ganz aufstellen. Dafür bietet sich vielmehr der FC Chelsea an, dessen Werben um Robinho von Real Madrid erhört wurde. Der Brasilianer soll rund 37 Millionen Euro kosten. Mit Vorsicht zu genießen ist dagegen die Wiederbelebung des Gerüchts, auch Milans Kaka könne noch den Weg an die Stamford Bridge finden. Mirror und Guardian berichten von einem neuen Chelsea-Angebot über 100 Millionen Euro. Zeitgleich dementiert der angeblich Umworbene den Wechsel nach London in der Gazetta dello Sport.
Damit nicht genug, halten sich weitere Gerüchte um einen dritten Selecao-Kicker und Chelsea: Der Name Luis Fabiano vom FC Sevilla soll auf dem Wunschzettel von Filipe Scolari stehen, berichtet die SUN. Abgegeben werden soll dafür Shaun Wright-Phillips, der für 12,5 Millionen Euro zu Manchester City oder Everton gehen könnte.
Auch die Planungen von Arsene Wenger und Arsenal sind noch nicht abgeschlossen. Der anvisierte Wechsel des Schweizers Gökhan Inler von Udinese ist aber gescheitert. Laut Inlers Berater wäre der Schritt nach London "vielleicht ein bisschen früh gekommen", sagte dessen Berater Dino Lamberti dem eidgenössischen Boulvard-Blatt BLICK. Liverpool will sich, sollte im Rückspiel gegen Standard Lüttich (Hinspiel 0:0) die Qualifikation zur Champions League glücken, mit dem spanischen Mittelfeldmann Albert Riera von Espanyol Barcelona verstärken. Kostenpunkt: rund 10 Millionen Euro.
Hinter den "Big Four" sind die chronischen Einkäufer von Tottenham und Manchester City insbesondere auf der Suche nach Stürmern. City leidet unter einer Verletzungsmisere (Bojinov, Benjani und Vassell) und 24-Millionen-Einkauf Jo ist gerade erst von Olympia heimgekehrt. Neben Wright-Phillips werden Namen wie Diego Milito (Saragossa) oder David Suazo (Inter) gehandelt. Der angepeilte Wechsel des Walisers Craig Bellamy von West Ham zu den Citizens wurde von den Londonern abgelehnt.
Bei Tottenham sind laut der seriösen Times Klaas-Jan Huntelaar (Ajax) und der Kolumbianer Falcao (River Plate) im Gespräch. Schließlich wäre Berbatov nach Robbie Keane (Liverpool) schon der zweite Top-Stürmer, der ersetzt werden müsste. Everton soll nach der Verpflichtung des Italo-Australiers Vincenzo Grella vom FC Parma (5 Millionen) auch die Fühler nach Jonathan de Guzman von Feyenoord ausgestreckt haben. Sein Bruder Julian spielte einst für Hannover 96.


Spanien

Obwohl Real-Präsident Ramon Calderon nach dem van der Vaart-Kauf die Bemühungen für diese Transferperiode beendet sah, scheint Real durchaus noch weitere Zugänge ins Auge zu fassen. Der Wechsel von Europameister Santi Cazorla (Villarreal) soll bereits in trockenen Tüchern sein. Rund 16 Millionen kostet der Flügelmann, der den Abgang Robinhos kompensieren soll.
Auch im Fall David Villa startete Real eine neue Offensive. 47 Millionen langten jedoch nicht. Der EM-Torschützenkönig verlängerte seinen Vertrag beim FC Valencia gleich um sechs Jahre und soll zukünftig drei Millionen Euro pro Jahr erhalten, was ihn zum best bezahltesten Spieler der Vereinsgeschichte machen würde. Als Alternative gilt Klaas-Jan Huntelaar.
Für das nächste Jahr, berichtet der Radiosender Onda Cero, soll sich Real mit dem Brasilianer Diego von Werder Bremen einig sein. So habe der FC Valencia auf der Suche nach Ersatz für den umworbenen Villa auf Nachfrage bei Diegos Agent erfahren, der Spieler lehne jede Verhandlung ab, weil er bereits einen Vorvertrag ab Sommer 2009 bei den "Königlichen" unterschrieben habe.
Der FC Barcelona dagegen, hat seine Planungen nach der Rehabilitation von Samuel Eto'o wohl abgeschlossen und sein Werben um Stürmer wie Berbatov oder Emmanuel Adebayor (Arsenal) eingestellt. Anders Atletico Madrid, wo man nach dem ersten Spiel gegen Schalke eklatante Mängel im Mittelfeld erkannt zu haben glaubt. Zwischenzeitlich soll deshalb auch der Bremer Diego kontaktiert worden sein. Mit der Re-Integration des ausgemisteten Portugiesen Maniche, wählt man aber zunächst die preiswerte Alternative aus den eigenen Reihen. Allerdings soll der letztjährige Vierte intensiv um Thiago Neves, brasilianischer Nationalspieler von Fluminense, buhlen und den kroatischen Stürmer Nikola Kalinic von Hajduk Split beobachten.


Italien

Ähnlich wie in Deutschland haben die großen italienischen Vereine die gröbsten Umstrukturierungen ihrer Personalabteilungen bereits hinter sich. Meister Inter holte neben Star-Trainer Mourinho in Mancini (Roma) und Sulley Ali Muntari (Portsmouth) zwei Verstärkungen für die Offensive, hielt sich sonst aber mit Groß-Investitionen zurück. Lokalrivale Milan investierte in große Namen wie Ronaldinho, Shevchenko oder Zambrotta und lieh in der letzten Woche noch den Schweizer Internationalen Philippe Senderos von Arsenal London aus. Das soll genügen, um die enttäuschende letzte Runde vergessen zu lassen. Jung-Stürmer Paloschi dürfte nach dem Shevchenko-Deal noch verliehen werden.
Viel Spektakuläres dürfte demnach nicht mehr passieren in der Serie A, denn auch die restlichen finanzstarken Clubs wie Juventus, Roma, Florenz oder der wieder erstarkte SSC Neapel planen höchstens noch Ergänzungen zum bereits Bewährten. Wahrscheinlicher deshalb, dass die Top-Transfers in Spanien und England über die Bühne gehen. Aber wer weiß, vielleicht schlagen auch die aufstrebenden Russen noch einmal ganz groß zu.


Nicolas Schnabel


Quelle:www.sportal.de