Herr Beiersdorfer, wir verzichten bei unserem zweiten Treffen mal auf die üblichen Begrüßungsfloskeln und kommen gleich zum Thema. An der Elbe schreien viele schon wieder nach der Champions League, ist es das was sie wollen?
Beiersdorfer - Was ich will? Natürlich will ich das, wer will das nicht? Ob es realistisch ist, das ist die entscheidende Frage. Nach dem oft zitierten „Katastrophenjahr“ der letzten Spielzeit, was es ohne Zweifel war, stehen wir nicht ganz unverdient da oben. Wir haben ein gutes Team vor der Saison punktuell verstärkt und einen neuen Spirit in der Mannschaft. Wenn man sich die aktuelle Tabelle anschaut, darf man sich aber nicht blenden lassen. Wir haben mit Hertha BSC, Bayer Leverkusen, dem VfL Wolfsburg und auch Schalke noch Mannschaften hinter uns, die ein oder gar zwei Partien weniger absolviert haben. Wir machen uns nichts vor, das es für uns noch nach unten geht.
Sie sprachen Bayer Leverkusen an, gegen die auch das nächste Spiel bestritten werden muss, danach folgt der VfL Wolfsburg. Wie richtungsweisend werden die kommenden Spiele für den HSV?
Beiersdorfer - Sehr richtungsweisend, das weiß die Mannschaft auch. Jetzt in der endscheidenden Phase der Saison kannst du alles verlieren, was du dir bis heute aufgebaut hast. Das wollen die Jungs nicht riskieren und der Trainer auch nicht.
Mirko Slomka ist der Mann vor der Mannschaft. Zuletzt hat sich, nach überraschend ruhigen Wochen, auch wieder Klaus-Michael Kühne zu Wort gemeldet. Ich zitiere das kurz für unsere Leser: „Ich möchte in den nächsten Jahren den HSV mit formen. Die Mannschaft und der Verein ist auf einem sehr guten weg aber für die Zukunft braucht man einen jungen, einen explosiven Trainer.“ Sie haben die Zeilen sicher schon gelesen. Würde sie dazu Stellung beziehen?
Beiersdorfer - Natürlich. Der HSV liegt Herr Kühne sehr am Herzen, das merkt man, wenn man sich mit ihm unterhält. Das er gerne seine Meinung äußert ist auch klar und vollkommen legitim. Zu dem Stellenwert eines Trainers sage ich aber ungerne etwas. Der Fußball ist schnelllebig, das weiß auch Mirko. Wir wissen aber, was wir an ihm haben.
Wie alle wissen neigt sich die Saison ja so langsam dem Ende zu, was heißt, dass das Transferfenster nicht mehr lang auf sich warten lässt. Ihnen werden bekanntlich sehr gute Kontakte in ganz Europa, und nicht zuletzt durch ihr Engagement bei Zenit St. Petersburg, auch nach Russland nachgesagt. Es kursieren Gerüchte, dass sie an ihrem ehemaligen Schützling
Milan Rodic interessiert sein sollen?
Beiersdorfer - Milan ist trotz seinen jungen Jahren einen extrem disziplinierter Profi, der weiß was er will und dem ich auch den Sprung nach Europa nach wie vor zutraue. Wenn er das bei uns tut, umso besser.
Auch sagten sie unlängst in einem Interview, das „dem HSV noch so ein richtiges Arschloch auf dem Platz“ fehle. Mit Valon Behrami haben sie eigentlich ein solches schon. Bedarf es bei dem HSV noch einen, der auch mal dazwischen geht?
Beiersdorfer - Diese Aussage darf man vielleicht nicht zu wörtlich nehmen. Valon war das Puzzleteil, was dem HSV in der Zentrale gefehlt har. Ein Spieler der den Mund auf machen und zwar nicht vor der Kamera, sondern auf dem Platz. Wenn man ihn während einer Partie beobachten ist der ständig in Bewegung, ständig am gestikulieren und sprechen. Das ist wichtig, wenn du so eine junge Truppe vor dir hast. Davon profitiert auch ein Tolgay Arslan, der spätestens diese Saison seinen Durchbruch auf der Sechserposition gemacht hat.
Transfertechnisch hat man für die nächste Saison mit Fabian Schär für die Defensive schon nachgelegt, außerdem kommen Jonathan Tah uns Lasse Sobiech zurück, ein Asthon Götz mach auch guten Druck auf Dennis Diekmeier. Steht die Abwehr für die nächste Spielzeit also schon?
Beiersdorfer - Im Großen und Ganzen kann man fast davon ausgehen. Dennoch haben wir uns mit dem Vorstand und dem Trainer zusammengesetzt und den Markt sondiert, das ist doch klar.
Im Mittelfeld muss man wohl nachlegen. Petr Jiracek wird den Verein verlassen, die Verträge mit Gojko Kacar und Ivo Ilicevic sind noch nicht verlängert und auch Lewis Holtby wird stand jetzt, nach England zurückkehren. Mit
Vladimir Darida könnte vom stark abstiegsbedrohten SC Freibung eine weitere Alternative für kleines Geld zu ihnen kommen. Auch Namen wie
Kevin Großkreutz oder
Mats Møller Dæhli werden mit der Hanseastadt in Verbindung gebracht.
Beiersdorfer - Vollkommen richtig. Erst mal sind wir natürlich bemüht für alle Seiten das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Wie das aussieht werden wir dann sehen. Mit Lewis Holtby ist es natürlich das Ziel zu verlängern, am liebsten das er ganz und gar bei uns bleibt. Das habe ich aber beim letzten Mal schon erwähnt und ist daher nichts neues. Was man auch bedenken muss ist, das wir uns, trotz eventueller europäischer Teilnahme, nicht im oberen Regal bedienen können. Zu den von ihnen genannten Namen möchte ich keine Stellung beziehen obwohl es sich recht interessant anhört.
Zum Abschluss noch die altbekannte Frage. Wo wird der HSV am…
Beiersdorfer - Sechster!