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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : BLM FC - Tous les chemins mènent à Le Mans.



Edouard1990
09.08.2020, 00:15
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'Antoine, komm jetzt bitte, es ist spät!' Wie aus einem Kurzschlaf gerissen, zuckte Antoine zusammen, als Mademoiselle Florence ihn aufforderte mitzukommen. Gleichmäßig prasselte der Regen auf das Blechdach, unter welchem er mit seinen Mitschülern Schutz vor dem plötzlichen Unwetter gesucht hatte, Antoine war wie in Trance, als er auf die Pfütze gegenüber der kleinen Straße starrte, die durch die Tropfen immer wieder mit runden Mustern durchzogen wurde. Er liebte den Regen, das war schon immer so. 'Antoine, allez!' fauchte Mademoiselle Florence erneut, als sie bereits die Straße überquert hatte, aber Antoine immer noch unter dem Blechdach verharrend auf dem immer schwächer werdenden Regen starrte.
Antoine war 17 Jahre alt und ging auf eine katholische Klosterschule. Seine Mutter sagte, er brauche Disziplin. Antoine war gemischtrassig. Er hasste dieses Wort. Seine Mutter sagte, so sie die Welt heutzutage, er müsse lernen, mit Denunziation umzugehen. Antoine verstand das nicht, er wollte es nicht verstehen. Sein Vater verstarb vor drei Jahren, offiziell war es ein Unfall, inoffiziell starb er wegen seiner Hautfarbe. Als er noch im Problemviertel im Norden der Stadt wohne, vermied es Antoines Familie, unnötig auf die Straße zu gehen, wenn es dunkel wurde, Rassismus war allgegenwärtig. Doch Antoine ist hier geboren, auch sein Vater war es, wie so viele dunkelhäutige Menschen in Frankreich. Antoines Großvater stammt aus Burkina Faso, er lebt heute in Marseille, weil es 'dort sicherer sei'. So lange Antoine denken konnte, war der Fußball seine große Leidenschaft, doch im großen Verein der Stadt wollte man keine 'Problemkinder aus dem Norden' haben, daher lebt Antoine in der Klosterschule. Hier gab es einen Verein, für welchen Antoine schwärmte, für welchen er sein Herzblut geben wollte. Ein Verein, der eine Philosophie hatte, die sich mit den Idealen von Antoine deckte; der Bollée Le Mans FC. Zugegeben ein kleiner Verein, der noch nie höher als in der vierten französischen Liga gespielt hat, in welcher er nun auch jetzt spielt und zwei Spieltage vor Schluss noch die Chance auf den erstmaligen Aufstieg hat. Antoine wollte ins Stadion, zum Heimspiel gegen Montluçon. Doch die strenge Führung der Klosterschule verbat es ihm. In Gedanken versunken schlenderte er über die Straße, schlurfte durch die regennasse Wiese in Richtung des Klosters, wo sich Antoine das Leben anders vorgestellt hatte. Doch für seinen Traum, Fußballprofi zu werden, war er bereit, einiges aufzugeben, Opfer zu bringen, zumindest noch ein weiteres Jahr lang........

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Quellen: Kloster (https://www.provence-info.de/wp-content/uploads/abtei-senanque.jpg)

Edouard1990
12.08.2020, 23:24
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'Schieß doch, schiiiieeeeßßßß!.............Neeeeeeeiiiiin... ........Jaaaaaaaaaaaa!!!!' Mit einer Achterbahnfahrt oder dem Öffnen des Geschenkes eines Happy Meals konnte man ein solches 'Finalspiel' vergleichen. Während Antoine wie gebannt auf sein Smartphone starrte und bangte, dass sein Verein das 2:1 über die Zeit retten wird, überlegte er, wie er aus dieser Schule herauskommen könnte. Es würde eine Party werden, das letzte Heimspiel nächste Woche, Derby gegen den FC Le Mans, sollte man dieses Spiel gewinnen, dann wäre Bollée Platz 1 nicht mehr zu nehmen. Noch 5 Minuten Bangen und Hoffen, nächstes Jahr Championnat National, es war kaum zu glauben, der kleine Verein bald ganz groß? Antoine wollte zu diesem Spiel, egal, wie das hier heute ausgehen würde, doch er wusste auch ganz genau, dass ihm das die Führung der Klosterschule niemals erlauben würde. Gebannt verfolgte er die Nachspielzeit, dann war es tatsächlich geschafft, Spieler lagen sich in den Armen, Funktionäre jubelten, der kleine Club in der dritten Liga, das würden die Spieler noch ihren Enkeln erzählen. Und Antoine? Der freute sich natürlich, doch er wusste auch, dass dieses Spiel nächste Woche ohne ihn stattfinden würde.

Zwei Wochen später ging es für Antoine um etwas ganz anderes, die Abschlussprüfung stand an und sollte er sie bestehen, dann wäre seine schulische Laufbahn somit abgeschlossen. Nervös grübelte er über die Aufgaben, immer noch im Hinterkopf, wie das kleine Bollée den großen FC letzte Woche im Derby mit 5:3 niedergerungen hatte. Antoine konnte sich nur schwer konzentrieren, doch er wollte nicht nachsitzen und seinen Sommer hier verbringen. Er hatte etwas vor, er hatte ein Ziel, wo Nachsitzen und Büffeln über den Sommer nicht eingeplant war. Denn der Verein veranstaltete Mitte August ein Talentecamp in der Stadt, für welches sich Antoine angemeldet hat. Er durfte bei Bestehen der Prüfung bereits Mitte Juli aus dem Kloster und müsste nur noch um 22 Uhr für die Nachtruhe zurückkehren. Seine Gedanken fuhren Achterbahn, doch gerade jetzt musste er sich auf Mathe konzentrieren und konnte es nicht. Er bat, die Toilette aufsuchen zu dürfen. Antoine brauchte einen klaren Kopf, da half kaltes Wasser und aus dem Klosterbrunnen gab es nicht nur das klarste, sondern auch eiskaltes Wasser. Antoine sah in den Spiegel, ermahnte sich selbst zu Disziplin und Konzentration, nur noch diese Prüfung und er wäre 'frei'. Das Klopfen gegen die Türe war das Zeichen, dass seine Zeit um wäre und er wieder in das Klassenzimmer zurückkehren musste, Antoine schlug seine flache Hand auf seine Brust und zeigte mit dem Zeigefinger in den Spiegel, dann stieß er die Türe auf und setzte seine Arbeit fort.


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'Beep, beep, beep, beep, be....'. Punkt 6 Uhr läutete Antoine's Wecker, noch waren 4 Stunden Zeit, doch er wollte unter keinen Umständen zu spät kommen oder nicht total wach sein. Seitdem der Prüfungsstress vorbei ist, hatte er sich intensiv auf das Talentcamp vorbereitet und täglich mehrere Stunden am Tag trainiert. Zwar hat er die Matheklausur nur mit Mühe und Not und einer 4 geschafft, aber insgesamt lag er im guten Durschnitt und Antoine war noch nie als Einserschüler bekannt. Darauf hatte es auch gar nicht ausgelegt. Während um ihn herum noch alles schief, genoss er sein Frühstück im Essraum des Klosters, die Verpflegung war sehr gut und nahrhaft hier. Antoine überlegte, ein erstes Mal Kaffee zu trinken, doch er entschied sich dann doch für eine Tasse Tee. Kurz vor 7 Uhr und nach Absolvieren seiner Dehnübungen machte er sich dann auf den kanpp 5 Kilometer langen Marsch in die Stadt, wo er mit dem Bus abgeholt und zum Trainingszentrum des Vereins gebrachte werden würde. Antoine war aufgeregt, auch wenn er wusste, dass er fußballerisch auf jeden Fall das Zeug dazu hatte, so kannte er die Konkurrenz nicht und mit Druck konnte er oftmals nicht so gut umgehen. Aber er fühlte sich gut und war entschlossen, alles zu geben. Langsam kamen die Lichter der Stadt näher und die Aufregung stieg. Dieser Tag war wohl der wichtigste in seinem bisherigen Leben, die Türe zum Business, sie stand offen, nun hieß es nur noch einen guten Eindruck hinterlassen und überzeugen.
Knapp drei Stunden später fand sich Antoine auf einem kleinen Trainingsplatz wieder und hörte, wie sein Name aufgerufen wurde. Er holte tief Luft und trat 3 Schritte nach vorne.....


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Quellen: Prüfung (https://www.maz-online.de/var/storage/images/maz/brandenburg/das-ist-brandenburgs-hygieneplan-fuer-die-oeffnung-der-schulen/744009267-3-ger-DE/Das-sieht-Brandenburgs-Hygieneplan-fuer-die-Schulen-vor_big_teaser_article.jpg), Talentcamp (https://img.blick.ch/incoming/15763717-v0-a36fc588524f99-poster.jpg?ratio=16_9&x=0&y=0&width=1918&height=1080)

Edouard1990
26.08.2020, 01:16
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'Antoine, bitte lass uns endlich gehen!' flehte Jacques. Antoine starrte auf den dunklen Platz und genoss den Moment, er würde nächstes Jahr Teil seines Lieblingsvereins, dem Bollée Le Mans FC sein. Der kleine quirlige Klosterjunge, so nannten sie ihn, hatte ordentlich Eindruck hinterlassen und während die anderen, die noch beim Talentecamp ausgewählt wurden in der U19 spielen werden, bekam Antoine direkt einen Vertrag für das erste Team, er dürfte also in der dritten Liga mit dem Profis trainieren. 'Du bist technisch sehr stark und könntest locker in der Ligue 1 bestehen!' sagte ihm der Coach große Dinge voraus, 'aber bleib auf dem Boden und mache Schritt um Schritt!' Antoine war noch nie einer gewesen, der leicht abhebt, sondern immer sehr bodenständig ist..... 'Antoine, wenn wir die Bahn verpassen, weißt du, was dann ist?' fauchte Jacques. 'Ist ja gut, gehen wir!' antwortete ihm Antoine und die beiden machten sich auf zum Bahnhof. Würden sie den Zug verpassen, hätten sie 2 Stunden warten müssen, oder die rund 12 Kilometer nach Hause gehen müssen.
Jacques war einer der Talente, die ebenfalls genommen wurden, sein großer Bruder, mit dem Jacques zusammen am Stadtrand wohnt, spielt beim Stadtrivalen, dem großen FC Le Mans. Antoine hatte Glück und fand auf der Suche nach einer Unterkunft in Jacques einen Freund, mit dem er sich auf Anhieb verstand.

Die nächsten Wochen würden sehr intensiv werden, geistig und körperlich. Antoine war nicht der stärkste und müsse definitiv noch zulegen um im Profifußball mithalten zu können und andererseits würde sich sein Leben von Grund auf verändern, er hatte sich seinen großen Traum erfüllt. In knapp 5 Wochen würde die Saison starten, darauf fokussierte sich Antoine, als er sein Trikot mit der Nummer 67 bestaunte. Täglich sah sich Antoine Videos seines Vereins auf Youtube an, studierte auf Transfermarkt seine künftigen Mitspieler und Trainer. Doch noch war alles recht vage, denn nach dem Aufstieg müsse sich Bollée deutlich verstärken, um nicht sofort wieder abzusteigen. Eine Mission, die mangels großer Geldmittel keine einfache war. Großteils würde man wohl auch mit Leihspielern agieren müssen, denn von den großen Teams gab es immer einen großen Pool an Spielern, die viel Talent und Willensgeist hatten, sich in den unteren Ligen zu zeigen und für ihren Stammverein zu empfehlen. Eine klassische Win-Win-Situation. Antoine durfte auch schon den Kapitän des Teams kennen lernen, den er schon länger bewunderte.
Ebenso stellte sich die Frage, ob Bollée in der riesigen MM Arena spielen würde, wo auch Le Mans FC seine Spiele austrägt, oder ob man das alte Stade Léon Bollée wieder zum Leben erwecken würde. Fragen über Fragen, die Antoine ganz genau mit verfolgte, um sich ein möglichst gutes Bild zu machen. Ungewiss war bei Bollée allerdings nur, ob man bis dahin eine schlagkräftige Truppe zusammen bekommt. Denn eines will Antoine in seiner ersten Saison ganz bestimmt nicht...........absteigen!


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Quellen: Stade Léon Bollée (https://urbexsession.com/wp-content/uploads/2016/10/stade-leon-bollee-le-mans-1-1-1800x1200.jpg)

GAD777
03.11.2020, 18:51
Geschlossen!